Underwriter

Ein Underwriter ist ein Mitarbeiter eines Erst- oder Rückversicherers, der für seine Versicherungsgesellschaft Risiken zeichnet. Dieser Vorgang wird underwriting genannt.
Im standardisierten Privatkundengeschäft (Massengeschäft) wird selten von Underwriting gesprochen, gleichwohl findet hier derselbe Vorgang statt. Insbesondere im Geschäft mit Industrie- bzw. allgemein Großrisiken kommt dem Underwriting seine eigentliche Bedeutung zu. Es werden, je nach zu versicherndem Risiko, Bereich und Schaden, umfangreiche Gutachten angefertigt und mögliche Schadenszenarien durchgespielt. Die hierfür eingesetzten Underwriter bei Industrie- sowie Rückversicherungsgesellschaften sind Spezialisten, beispielsweise Ingenieure, Geologen, Umweltspezialisten, Juristen und Aktuare.

Das Aufgabenfeld des Underwriters ist äußerst vielseitig und stützt sich auf vier Säulen:

  • Versicherungstechnische Analytik (Risikoeinschätzung von Originalpolicen)
  • Juristische Einschätzung (Entwurf/Analyse von Vertragstexten)
  • Betriebswirtschaftliche Expertise (Entwickeln von Kundenstrategien)
  • Versicherungsmathematik (Preisfindung für die Rückversicherungsdeckung)

Der im 17. Jahrhundert entstandene Begriff des Underwriters stammt aus England und ist auf Geschäftspraktiken in einem Kaffeehaus zurückzuführen. 1688 führte Edward Lloyd ein bekanntes Kaffeehaus in der Londoner City, in dem regelmäßig Kaufleute, Reeder, Bankiers und Versicherungsmakler zu informellen Geschäftsgesprächen zusammenkamen.
Diese Geschäftsleute waren bereit, gegen angemessene Prämien (Beiträge) ihr Privatvermögen für die Übernahme von Schifffahrtsrisiken einzusetzen, z. B. für den Verlust der Ladung (durch Seeräuberei) bis hin zur Zerstörung des Schiffes. Dabei gingen die Reeder von Geschäftsmann zu Geschäftsmann, um eine Deckung für ihr Risiko zu „sammeln". Die Geschäftsmänner beteiligten sich, indem sie einen Prozentsatz angaben und unterschrieben („to underwrite"). So entstand der Begriff des Underwriters