Was ist ein Aktuar?
Fragt man jemanden, was er oder sie von Beruf ist und man erhält die Antwort: Polizist, Lehrer oder Arzt, dann weiß jeder sofort, was diese Personen im täglichen Leben machen. Aktuare haben es hingegen schwerer, denn die wenigsten Menschen wissen, was sich hinter dieser Tätigkeit verbirgt.
Was ist ein Aktuar?
Aktuare sind speziell ausgebildete Mathematiker, die besonders gute Kenntnisse in Wahrscheinlichkeitsrechnung und der Statistik besitzen und die unterschiedliche Methoden und Modelle der Versicherungs- und Finanzmathematik einsetzen, um Lösungen für wichtige Probleme zu finden. Sie arbeiten dabei vorwiegend in der Versicherungswirtschaft, sind aber auch in Banken, Behörden, Wirtschaftsprüfungsunternehmen, Pensionskassen und –fonds und bei vielen weiteren vergleichbaren Unternehmen beschäftigt. Sehr knapp formuliert kann man sagen, dass sie dort gefordert sind, wo Risiken und Verpflichtungen aus (teilweise sehr langfristigen) Verträgen zu bewerten und zu steuern sind. Warum insbesondere Versicherungen viele Mathematiker einstellen, erklärt sich schnell:
Die wichtigste Frage, die sich eine Versicherung stellen muss, ist: Wie hoch muss die regelmäßige Zahlung für jeden Versicherungskunden sein und welchen Teil muss diese davon auf jeden Fall zurücklegen, um im Schadensfall auch wirklich an jeden Versicherten die notwendige Schadenssumme bezahlen zu können. Da oft viele unterschiedliche Faktoren bei der Kalkulation der Tarife mit einbezogen werden müssen, ist die Berechnung eine sehr komplexe Angelegenheit, die zusätzlich natürlich immer mit bestimmten Annahmen und somit einer gewissen Unsicherheit verbunden ist. Diesen Unsicherheiten rücken in vielen Fällen die Aktuare zu Leibe, indem sie mit einer Kombination aus Analyse von historischen Daten und wahrscheinlichkeitstheoretischen Methoden die jeweiligen Risiken einschätzbar machen.
Wo arbeiten Aktuare?
Wie schon erwähnt, arbeiten Aktuare sehr häufig in Versicherungen. Dabei ist Versicherung jedoch nicht gleich Versicherung. So vielfältig das Angebot (Lebens-, Kranken-, Renten-, Rück-, Kfz-Versicherungen, etc.), so unterschiedlich ist auch die benötigte Mathematik und die Zahl der Vorschriften, die es bei der Berechnung der Tarife zu berücksichtigen gilt. Daher sind die meisten Aktuare nicht nur Spezialisten im Bereich Versicherungsmathematik, sondern benötigen zusätzliche Kenntnisse der jeweiligen Sparte, in der sie tätig sind. Daneben sind sie oftmals nicht in der klassischen Tarifberechnung tätig, sondern werden verstärkt für das Kapitalanlagemanagement, z.B. in Lebensversicherungen, eingesetzt. Für unerwartete und zeitgleiche Zahlungen an Versicherungsnehmer muss auch die Sicherheit und die Rendite der Kapitalanlagen des Versicherungsunternehmens sichergestellt werden. Aufgrund dieser vielfältigen Kompetenzen sind Aktuare nicht selten in Vorstandspositionen zu finden.
Angesichts der wachsenden Vielzahl und Komplexität der einzelnen Produkt- und Aufgabenfelder sind viele Unternehmen in Einzelfällen immer häufiger auf externe Expertise angewiesen. Dies hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren auch aktuarielle Beratungsfirmen ein weiterer wichtiger Arbeitgeber für Aktuare geworden sind.
In letzter Zeit hat sich darüber hinaus ein zusätzliches Aufgabenfeld für Aktuare aufgetan. Als Risikomanager liefern sie einen wichtigen Beitrag zur Unternehmenssteuerung. Vereinfacht ausgedrückt bewerten sie die Risiken, denen sich ein Unternehmen aussetzt, so dass wichtige Geschäftsentscheidungen besser abgeschätzt werden können.
Der Weg zum Aktuar bei der Deutschen Aktuarvereinigung e. V.
Generell kann in Deutschland jeder Spezialist mit einschlägigen Kenntnissen in der Versicherungsmathematik als Aktuar arbeiten. Um diese Kenntnisse nicht nur optimal zu erwerben, sondern auch gegenüber Dritten auf den ersten Blick belegen zu können, entscheiden sich jedoch viele Mathematiker für eine Ausbildung zum „Aktuar DAV“ bei der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV). Die DAV ist die berufsständische Vertretung der Aktuare in Deutschland. Sie sich dafür ein, die fachlich fundierte Berufsausübung der Aktuare weiter zu stärken, fachliche Standards zu setzen, die unabhängige Stellung der Aktuare in Deutschland zu sichern und talentierten Nachwuchs frühzeitig für die Versicherungs- und Finanzmathematik zu begeistern. Sie zählt aktuell über 3.200 Mitglieder und es befinden sich zurzeit über 1.800 Prüflinge im Ausbildungsangebot zum „Aktuar DAV“. Voraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung ist ein Hochschulabschluss in einem mathematischen Fach, aber auch Absolventen anderer Studiengänge können zugelassen werden, sofern sie die Eingangsprüfungen bestehen. Die jungen Nachwuchskräfte erhalten dann eine breite Ausbildung in der Versicherungs- und Finanzmathematik, in stochastischen Methoden, Modellierung sowie allgemeinen Fächern wie Versicherungswirtschaftslehre und Rechtsgrundlagen bevor sie sich in einer Versicherungssparte spezialisieren.
Mehr zum Berufsbild des Aktuars, der Ausbildung zum „Aktuar DAV“ und über die DAV, erfahren Sie auf den Seiten der DAV: www.aktuar.de.



