30.05.09
Kolumne E-Learninglish (46)
Teil 46: „Usability“
Es gibt Begriffe, die ständig in aller Munde sind, obwohl sie nicht präzise definiert werden können. Unterbrechen Sie doch zum Beispiel einfach mal die nächste Person, die das Wort „Zeitgeist“ in Ihrer Gegenwart benutzt und fragen Sie nach der Bedeutung des Wortes! Das macht sehr viel Spaß. Im E-Learning-Umfeld zählt sicherlich der Begriff „Usability“ zu den oft verwendeten, aber schwer fassbaren Bezeichnungen.
Usability lässt sich mit Benutzerfreundlichkeit oder Gebrauchstauglichkeit übersetzen.
Ein Software-System wird dann als benutzerfreundlich angesehen, wenn es über eine besonders einfache, zum Nutzer und seinen speziellen Anforderungen passende Bedienung verfügt. Die DIN EN ISO 9241 beschreibt in Teil 11 Gebrauchstauglichkeit als „Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und mit Zufriedenheit zu erreichen“.
Da hat man sich meiner Meinung nach elegant aus der Affäre gezogen: Passt es für mich, dann ist es benutzerfreundlich. Wenn es allerdings kontextunabhängige Messgrößen und Kriterien gäbe, würden wir uns in der Bewertung der Usability eines Produkts etwas leichter tun und sie aus dem Bereich der Geschmackssache zu einem Qualitätsmaßstab erheben („Ihrem Produkt mangelt es an Benutzerfreundlichkeit!“ „Nö, finde ich nicht.“)
Also: wann ist jetzt ein System benutzerfreundlich? Leider wird an jeder Stelle, an der sich jemand dazu äußert, zuerst einmal betont, dass das vom Einzelfall abhängt. Das ist absolut richtig, führt aber dazu, dass man keine klare Aussage bekommt. Man muss sich seine Kriterien mühsam zusammensuchen oder sich auf den eigenen, gesunden Menschenverstand verlassen. Aber ein paar Anhaltspunkte - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - kann ich Ihnen schon geben:
- Erwartungskonformität
Die Software sollte den gängigsten Erwartungen entsprechen. Ein (zugegebenermaßen schon etwas abgenutztes) Beispiel: Wenn meinen Rechner herunterfahren möchte, erwarte ich, dass ich dazu eine Schaltfläche vorfinde, deren Name darauf hindeutet. Auf keinen Fall erwarte ich, dass ich dazu zuerst auf „Start“ klicken muss. - Intuitive Bedienbarkeit
Wer liest schon gerne Gebrauchsanweisungen? - Fehlertoleranz
Ich nenne diese Eigenschaft „Wild-Klick-Stabilität“. Das System muss schon ein paar Fehleingaben und Benutzerfehler aushalten können, ohne gleich abzustürzen. - Lernförderlichkeit
Die Software sollte mich beim Erlernen ihrer Bedienung unterstützen, zum Beispiel durch Mouse-Over-Informationen, die mir sagen, was die entsprechende Schaltfläche bewirkt. - Barrierefreiheit
Internetauftritte und -angebote, die öffentlich zugänglich sind, sollten der „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BITV)“ entsprechen.
Am besten stellen Sie sich eine eigene Liste zusammen, die Sie beim Testen von Software immer wieder heranziehen können.
Christian Fendl
Deutsche Versicherungsakademie (DVA)
Hinweis: Teil 1 - 45 der Kolumne E-Learninglish können Sie hier nachlesen.


